Wir wollten immer erwachsen sein

Wir wollten immer erwachsen sein. Haben fleißig nachgeeifert. Bewundert. Wollten genauso werden wie ihr, aber doch ganz anders. Unsere ganz eigene Version von dem, was ihr zu sein schient. Immer einen Schritt höher. Einen großen Sprung weiter. Haben uns fast überschlagen. Waren nicht immer auf der Hut, aber das war egal – wir haben uns in der Ungewissheit geborgen gefühlt. Die Neugier hat uns unter den Fingernägeln gekitzelt. Haben uns nicht immer umgesehen. Kindisch. Naiv. Sind weitergelaufen, weitergesprungen, immer schneller, immer weiter. Die Stolpersteine auf dem Weg einfach ignoriert. Sind mit Scheuklappen und einer rosaroten Brille ausgestattet durch die Welt gelaufen.

Haben den Preis dafür bezahlt. Sind ausgerutscht. Ein zu waghalsiger Sprung. Hingefallen. Aber wir haben uns immer wieder hochgeholfen. Ihr habt uns aufgefangen. Natürlich sind dabei auch Tränen geflossen, gewiss sind einige Träume und Teller zerbrochen. Wir haben uns verändert. Sind zusammengewachsen. Haben manche Gesichter aus den Augen verloren. Hatten aber immer jemanden auf unsere Seite. Vertraute Menschen, fremde Gesichter.

Wir wollten immer erwachsen sein. Sind älter geworden. Einen Schritt weiter. Sind noch immer dabei herauszufinden wer wir sind, wer wir sein wollen. Fallen mehr denn je. Machen immer noch Fehler, aber zusammen. Eifern weniger nach. Sind weniger naiv als zuvor, aber immer noch ein wenig unbeholfen. Einige Dinge werden wir wohl nie verstehen, nie ganz nachvollziehen können.

Aber wir sind auf dem Weg. Dem Ziel um einige Schritte näher, auch wenn wir uns noch immer nicht bewusst sind wohin wir genau zielen. Vielleicht hat uns das Leben mittlerweile auch einfach gelehrt, dass die Antwort auf die Frage nicht von primärer Bedeutung sind, solange wir nicht stehen bleiben. Solange wir nicht zu lange Blicke über unsere Schulter zurück werfen.

Und darum haben wir nicht aufgehört weiter zu gehen, drehen uns noch immer gelegentlich um, blicken dankbar auf die Strecke, die wir hinter uns gelassen haben. Tausende Schritte, tausende Umarmungen und Lächeln, tausende von Tränen. Ich will nichts davon missen. Ich sehne mich nicht länger danach umzudrehen, zurück zu rennen. Denn das ist abgeschlossen, das liegt hinter mir.

Wir wollten immer erwachsen werden. Doch plötzlich war alles okay genau so wie es ist. Plötzlich wollten wir nicht mehr, dass Jahre schneller vergehen, wollten nicht mehr in der Zeit zurückreisen können. Plötzlich haben wir ganz unbewusst aufgehört uns zu verstellen, uns zu vergleichen und nachzueifern. Plötzlich war alles okay so wie es war.


Diesen Text hatte ich an meinem 18. Geburtstag in mein Tagebuch geschrieben, und ursprünglich schon einmal veröffentlicht, ihn dann aber dann wieder auf privat gestellt. Als ich letzte Woche durch meine alten Posts geklickt habe, bin ich wieder darauf gestoßen und habe mich entschlossen ihn wieder zu veröffentlichen, weil diese Worte irgendwie ein Teil von mir sind, weil sie irgendwie dazu gehören. Das war ich vor einem Jahr und vier Monaten.

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